Hier ist Navarra

Navarra ist die geografisch viefältigste spanische Provinz, da sie in ihrem Gebiet drei unterschiedliche biogeographische Flächen aufweist, die sehr konstrastreiche Landschaften geformt haben: Wälder und pyrenäische Gipfel im Norden, die dann in Richtung Süden weiter abnehmen und sich schließlich in ein halbwüstenartiges Naturgebiet wandeln. Eine Verwandlung, die wir in nur 100 Kilometern wahrnehmen können.
Carnavales de Lantz

Auch der privilegierte Standort zwischen Kontinentaleuropa und der iberischen Halbinsel hat Navarra zu einem obligatorischen Durchgangsgebiet gemacht, durch das große Wege führen. Der wichtigste unter ihnen ist der Jakobsweg, der von den Königen von Navarra vorangetrieben wurde. Dadurch stand Navarra unter wichtigen kulturellen Einflüssen europäischer Strömungen, wie beispielsweise dem Romanischen.
Diese klimatologische, kulturelle und landschaftliche Vielfalt formte Häuser, Dörfer, Wesenszüge, Bräuche, Sprachen, Feste und verschiedene Speisen mit einer eigenen persönlichen Marke. Darauf gehen wir genauer ein:

DIE CHARAKTERZÜGE UNSERER LEUTE 

Die geschlossenen Täler des Nordens haben den ehrenwerten und freundlichen Charakter der Leute in den einheimischen Gehöften geprägt, die dort in Abgeschiedenheit Konversationen und Legenden um den Herd genießen.
In Richtung Süden ermöglichen die Berge den Pass zu den breiten, sonnigen Flachebenen, in denen das gute Wetter dazu einlädt, das Straßenleben zu genießen und das den Bewohnern ihren extrovertierten und offenen Wesenzug verleiht.

DIE SPRACHE

In Navarra werden zwei Sprachen gesprochen: Spanisch und Baskisch. Letztere weist als einzige Sprache der iberischen Halbinsel keinen indoeuropäischen Stamm auf. Das Spanische hat im gesamten Gebiet einen offiziellen Charakter, das Baskische dagegen nur in der baskischsprachigen Zone im Norden der Region.

Traslado de la Dolorosa. Semana Santa en Pamplona

FESTE UND TRADITIONEN

Alle Navarresen mögen die Fiestas, die Verwurzelung ihrer Traditionen und einen weiteren entscheidenen Aspekt: nichts Bedeutendes kann gefeiert werden, ohne sich dabei etwas Festes und Flüssiges zu Gemüte zu führen.
Die traditionellen Fiestas zeigen unsere Wesensart, in der sowohl der Volksglaube als auch die Präsenz des Übernatürlichen tief verwurzelt sind:
Die ersten Tage des Jahres wird Karneval gefeiert, das viele altertümliche Bräuche hervorbringt, wie in Ituren un Zubieta, Lantz oder Altsasu/Alsasua und der vielbesuchte Viehmarkt von Tafalla. Anschließend folgt die bekannte Javierada, eine große navarresische Wallfahrt zur Javier-Burg, Geburtststätte unseres international prägenden Heiligen Franz Xaver.
Darauf folgt die Karwoche, in der Navarra interessante Prozessionen bietet. So sind die Prozession der Heiligen Beerdigung von Pamplona oder die barocke Prozession von Corella ebenso originelle Zeremonien die zum Touristischen Interesse erklärt wurden, wie die des Volatín oder die der Niederkunft des Engels in Tudela. Als Höhepunkt werden am Ostersonntag in Luzaide/Valcarlos die bunten Bolantes-Tänze aufgeführt.
Mit dem Frühling beginnen gleich hunderte Pilgerfahrten zu den verborgensten Kapellen unserer Dörfer und Berglandschaften, wie die in Orreaga/Roncesvalles oder Ujué. Auch ist es an der Zeit, die Ernte zu schützen, wofür ein Maibaum aufgestellt wird. Diese Tradition wurde in zahlreichen Ortschaften, wie in Barillas, erneut ins Leben gerufen.
Nach der rituellen Reinigung im Feuer in der Nacht des Heiligen Johannes werden Patronatsfeste an den vier Hauptorten Navarras gefeiert; während im Norden die Musik der Txistu (baskische Einhandflöte) oder der Danzas erklingen, ist der Süden das Gebiet der Stiere, Stierläufe und Kühe wie in Falces oder Lodosa. Doch wenn die Fiestas eines Ortes hervorzuheben sind, dann sind es zweifellos die der Sanfermines, das weltbekannte Fest, das in Pamplona vom 6. bis 14. Juli gefeiert wird.
Fiesta de Orhipean. Ochagavía

Im Sommer werden die meisten Fiestas der Brüderlichkeit veranstaltet, so auch der Tribut der Drei Kühe von Roncal, der die älteste Zeremonie dieser Art in ganz Europa ist.
Und ohne zu sehr von gestern zu sein, stehen sie im Kalender jedoch genauso drin: die Neuen Fiestas, die unsere Kultur, unsere Traditionen und die alten Handwerke wertschätzen:
Für Groß und Klein zum Vergnügen werden das Mysterienspiel der Heiligen Drei Könige kurz nach Silvester am 6. Januar in Sangüesa, in dem zahlreiche Einwohner des Ortes mitspielen, oder aber der Besuch des Olentzero an Weihnachten, der hierzulande die Geschenke verteilt.
Ende April oder Anfang Mai, fahren die Flöße erneut durch die pyrenäischen Gewässer des Esca. In den Pyrenäen der Atlantikseite findet das belebte Volksfest Baztandarren Biltzarra statt, bei dem die Einwohner der unterschiedlichen Dörfer des Baztan-Tals eine Parade mit auffälligen Kutschen veranstalten.
Ein weiterer Beleg dafür, dass die Beherrschung eines Handwerks eine Art ist, Kunst zu machen, bietet uns das Trio des Hirten, des Hundes und der Schafe beim Artzai Eguna, ein heftiger Wettkampf mit Hirtenhunden, der Ende August veranstaltet wird. Zur gleichen Zeit gibt uns das pyrenäische Dorf Ochagavía mit dem Orhipean-Fest die entzückende Gelegenheit, für einen Tag hundert Jahre in die Vergangenheit zu reisen.
Die Mittelaltermärkte haben ihren Urspung in Olite, werden heute jedoch an diversen Orten von Navarra veranstaltet. Sie bilden eine weitere spielerische Möglichkeit, in der Zeit zurückzureisen. Dieses Mal geht es jedoch zurück ins Mittelalter.
Bei der Sanmiguelada stehen die Schafe im Vordergrund. Wenn der Herbst Einzug erhält ziehen tausende von ihnen in Herden über die von den Pyrenäen abfließenden Bächen, den sogenannten Cañadas Reales, in das Gebiet der Bardenas Reales.
Kulturelle Veranstaltungen und Feiertage
Neben den Fiestas und der verwurzelten Traditionen bietet Navarra auch interessante kulturelle, künstlerische und kulinarische Programme. Unter den Wichtigsten: Die Pincho-Woche von Navarra, die Gemüsetage in Tudela, das Festival des Klassischen Theaters in Olite, die Woche der alten Musik in Estella oder "Kultur", das Sommerprogramm mit musikalischen Veranstaltungen in den wichtigsten Gebieten voller Natur und Sehenswürdigeiten von Navarra.
Der Veranstaltungskalender wird von dem intensiven Programm angeführt, das vom Auditorium Baluarte,  Barañain und vom Teatro Gayarre in Pamplona, oder vom Teatro Gaztambide in Tudela angeboten wird.


 

Concurso de jotas en Cadreita

MUSIK UND TANZ

Im Norden ertönen persönliche Lieder oder einfache Melodien, deren Reime auf Baskisch von den baskischen Bertsolaris improvisiert werden, mit denen sie die Leute zum Lachen bringen oder emotional berühren wollen. Die Instrumente, die dabei für gewöhnlich begleiten, sind das Akkordeon, die baskische Txistu-Flöte oder die ähnliche Txirula-Flöte. Die wichtigsten Volkstänze sind der Zortziko oder der Mutildantza.
Im Süden erklingen die Rondallas (Straßenmusikanten mit Zupfinstrumenten) und die Jota, die mit einer energischen Stimmgewalt und einfachen Texten in der Regel auf den Alltag, die Landarbeit oder persönliche Anekdoten anspielt. Ansonsten werden hierzulande die Gaita (eine Art Sackpfeife) und die Gitarre gespielt und die Jota und musikalisch untermalter Umzüge getanzt.


HÄUSER UND DÖRFER / ARCHITEKTUR UND STÄDTEENTWICKLUNG

Das Haus ist weit mehr als ein paar Wände oder Beton. Es ist der Ausdruck der Familie, ein Zeichen der häuslichen Verbundenheit, wie ein Nachname, der einen identifiziert.

Die Fülle an Wasser und die Kälte des Nordens von Navarra hat die Entstehung kleiner Dörfer mit kleinen Dorfzentren begünstigt, zu denen meist auch einige der typischen Gehöfte (caseríos auf Spanisch, baserriak auf Baskisch) gehören, die in der Umgebung zerstreut sind.

Diese sind traditionell sehr stabile, große Häuser aus Stein, die meistens ein Eingangstor mit Torbogen vorweisen, die in vielen Fällen das Familienwappen tragen. Es hat zwei oder drei Stockwerke, wobei das untere als Stall verwendet wird, wodurch die Wärme in die höheren Etagen weitergeleitet wird. In dem ersten und zweiten Stock lebt die Familie in mehreren Generationen und der abschließende Dachboden wird als Getreidespeicher benutzt. In den östlichen Pyrenäen, wo Kälte und Schnee häufiger vorkommen, hat das Caserío ein stark geneigtes Satteldach aus Schiefer. In den atlantischen Pyrenäen, wo die Witterung etwas milder ist, haben die Gehöfte Walmdächer mit roten Ziegeln.

Im übergehenden Gebiet und vor allem in den etwas edleren Häusern bestehen das Erdgeschoss aus Stein und die höheren Stockwerke aus Stein oder Ziegelsteinen, die meistens mit schönen hölzernen Vordächern krönen.

Im südlichen Gebiet, wo das Wasser nicht mehr so im Überfluss vorhanden ist, finden wir große, dichte Dörfer und Häuser aus Luftziegeln oder Ziegelsteinen. Häufig sind die Häuser getüncht und die Dächer haben eine oder zwei Dachneigungen, die wichtigeren Häuser haben vier. Es sind offene Häuser mit vielen Balkonen und Galerien.

Interessant sind die Höhlenhäuser von Valtierra oder Lodosa. Diese wurden an den abgegraben Stellen im selbigen Fels gebaut, an denen das Gestein nicht sehr hart und undurchdringlich ist.

Partido de pelota mano

SPORT

Diese Sportarten kommen aus Navarra:

Pelota: ein Spiel, das bei den Griechen entstand und von Mönchen und Königen gespielt wurde und in dieser Gemeinschaft Wurzeln schlug und sich behauptete. Es wurde auf Wiesen, Plätzen und in Laubengängen gespielt. Navarra stellt heute den Nachwuchs berühmter Pelotaris (Pelotaspieler) und die Spielfelder, die sogenannten Frontones schmücken die Geographie Navarras, als wären sie ein weiteres Element der Dörfer und Städte. Dort treffen sich Freunde und professionelle Sportler, fordern sich gegenseitig heraus und spielen die Varianten Pala, Cesta punta, Remonte und die Königsvariante Pelota a mano. (+ Info)

Ländliche Sportarten oder herri kirolak: All diese Sportarten haben ihren Ursprung in der harten Arbeit der Caseríos und der Landarbeit. Sie haben sich zum Sport entwickelt, die vom Athleten eine große physische Kraft erfordern und bei dem Wettspiele sehr wichtig sind. Einige der beliebtesten dieser Sportarten sind das Schneiden von Baumstämmen (aizkolariak) und die Steinheber (harrijasotzaileak).